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Wie Corona unser Arbeitsleben verändert

In der Corona-Krise schickten viele Unternehmen ihre Mitarbeiter ins Homeoffice.

Statt 30 Minuten pendeln den Wecker noch einige Male snoozen und kurz vor Arbeitsbeginn an den Laptop setzen: So sieht für viele Arbeitnehmer der neue Berufsalltag seit Beginn der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen aus. Denn zur Eindämmung des Infektionsgeschehens waren viele Unternehmen im Frühjahr 2020 gezwungen, ihre Mitarbeiter ins Homeoffice zu versetzen. Ein halbes Jahr nach Beginn des Lockdowns ziehen wir ein Fazit, was dieser abrupte Wechsel für Chancen und auch Herausforderungen mit sich gebracht hat.

Der nötige Anstoß für die Digitalisierung?

Auch wenn viele Unternehmen sich offiziell der digitalen Transformation verschrieben hatten, zeigte erst ein Ernstfall, wie es um die Digitalisierung in Deutschland wirklich bestellt ist. Denn viele Arbeitgeber hatten Schwierigkeiten, ihre Angestellten von heute auf morgen zum Arbeiten in die eigenen vier Wände zu schicken. Abgesehen von Berufen, die sich von Zuhause aus gar nicht realisieren lassen (dazu gehört u. a. ein Großteil der systemrelevanten Berufe), mussten viele Unternehmen die nötige Infrastruktur und Hardware erst organisieren. 

Denn fürs Homeoffice braucht es mehr als einen Laptop – die richtigen Tools für Datenaustausch, Kommunikation und Zusammenarbeit sind ein mindestens genauso relevanter Faktor wie das Know-how, wie diese zu benutzen sind. Das zeigt sich beispielsweise an der Vielzahl der Lehrkräfte, die zum ersten Mal mit Hilfe von Office 365 und Co. ihren Unterricht per Videochat vorbereiten und vortragen mussten. Und doch hat es funktioniert – ein Beweis, dass langes Planen und Reden der tatsächlichen Umsetzung gern im Weg steht. So zeigt sich die erfolgreich realisierte Digitalisierung zum Beispiel am Dürer-Gymnasium in Gostenhof: Hier gibt es ab dem aktuellen Schuljahr 2020/21 sogar drei Tablet-Klassen, in denen technische Hilfsmittel dabei helfen sollen, pädagogische Ziele zu erreichen. 

Rückblickend belegt die aktuelle Ranstad ifo Personalleiter-Befragung, dass in 55 % der deutschen Unternehmen die Digitalisierung Corona-bedingt beschleunigt wurde, indem z. B. digitale Tools eingeführt oder intensiver genutzt wurden. Gleichzeitig wird die Möglichkeit des Homeoffice noch nicht vollständig genutzt: Von 80 % der befragten Firmen, deren Mitarbeiter theoretisch von Zuhause aus arbeiten könnten, erwarten fast die Hälfte einen Leistungsabfall durch das Homeoffice. Woran liegt das?

Arbeitsmoral und Effizienz im Homeoffice

Die Arbeit von zuhause wird leider immer noch von vielen Arbeitgebern belächelt. Zu fest sitzt die Vorstellung, dass Mitarbeiter im Homeoffice das Unbeobachtet-Sein genießen und faulenzen, statt produktiv zu arbeiten. Deshalb war Homeoffice vor Corona nicht selten nur in Ausnahmesituationen oder gar nicht möglich. 

In der modernen Arbeitskultur zeichnet sich jedoch ein Trend ab: Junge und agile Unternehmen haben erkannt, wie wichtig Work-Life-Balance, Vertrauen und Eigenverantwortung für die Arbeitsleistung und nicht zuletzt für die Bindung zwischen Mitarbeiter und Unternehmen sind. Wer sich nicht an starre Kernarbeitszeiten im Büro halten muss, sondern flexiblere Arbeitszeitmodelle und -orte nutzen kann, wertschätzt dies meist auch und ist zufriedener – und damit oft leistungsstärker. Das belegt eine aktuelle Studie von Ipsos Deutschland: Während der Arbeit zuhause verbesserten sich unter anderem Autonomie, Effektivität und Motivation der Befragten. 

Allerdings wurde ein ähnlich großer Teil der Befragten auch negativ beeinflusst – absolut verständlich, wenn man an Elternteile denkt, deren Kinder während des Lockdowns neben der normalen Arbeit versorgt, bespaßt und per Homeschooling unterrichtet werden mussten. 

Für kinderlose Arbeitnehmer und Young Professionals hingegen liegen die positiven Auswirkungen des Homeoffice auf der Hand: Während im Büro die ständige Geräuschkulisse aus Telefonen, Tastatur-Geklacker und Kollegen unsere Konzentration stören, befinden wir uns zuhause in unserer abgeschotteten Blase der Ruhe. In der wir selbst entscheiden können, wann wir nicht gestört werden möchten. Ein unabdingbarer Faktor für Effizienz und Produktivität, wenn man bedenkt, welche Folgen eine kleine Ablenkung haben kann: Verschiedenste Studien belegen, dass selbst nach der kleinsten Unterbrechung unsere Fehlerquote deutlich steigt und wir mehr als 20 Minuten brauchen, um wieder voll bei der Sache zu sein.

Zudem können wir unsere Arbeitszeiten freier wählen als zuvor, um z. B. vormittags in der Stadt Erledigungen machen und dafür abends eine Stunde länger dranzuhängen. Allein durch das Vertrauen, das unser Arbeitnehmer uns durch das Homeoffice entgegenbringt, entsteht die nötige Disziplin, nicht den ganzen Tag durch Social Media zu scrollen und abends trotzdem 8 Stunden Arbeitszeit zu buchen.

Insbesondere für junge Menschen, die vermehrt Wert auf ihre Entfaltung und ihre Freiheit legen, waren die Bewegungen auf dem Arbeitsmarkt in Zeiten von Corona wohl eher ein Segen als ein Albtraum. Wir hoffen, dass die Entwicklungen nicht nur eine kurzfristige Reaktion waren, sondern das Mindset von Unternehmern und Führungskräften nachhaltig beeinflusst haben – in Richtung Digitalisierung und New Work. Denn nur durch konstante Weiterentwicklung bleiben Unternehmen zukunftsfähig, erfolgreich und attraktiv für Bewerber. 

Christina Rott

RUNBlog-Redakteurin