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Studium gerockt – was jetzt? 7 Antworten rund um die Jobsuche

RUN Blog: Studium gerockt, was jetzt? 7 Tipps für die Jobsuche

Mehr als 7.000 Studenten der Region schließen allein an der FAU Erlangen-Nürnberg jedes Jahr das Studium erfolgreich ab und drängen auf den Arbeitsmarkt. Damit du in der Masse an potenzieller Konkurrenz nicht untergehst, sondern bleibenden Eindruck bei deinem Wunsch-Arbeitgeber hinterlässt, haben wir mit zwei Expertinnen aus dem HR-Bereich gesprochen. Hier erfährst du aus erster Hand, was deine Chancen auf einen Job beeinflusst und worauf es bei deiner Bewerbung wirklich ankommt. 

1. Wo bewirbst du dich am besten?

Überleg dir nicht erst nach dem Abschluss, welche Arbeitgeber für dich interessant wären, sondern schon während des Studiums. Dann kannst du z. B. als Werkstudent oder Praktikant herausfinden, ob deine Vorstellung mit der Realität übereinstimmt. Um das passende Unternehmen für dich zu finden, solltest du außerdem nicht nur im Internet recherchieren – lass dich stattdessen von der Bundesagentur für Arbeit beraten, dort erhältst du neben Tipps für offene Stellen in der Region auch Impulse für Berufe, die zu deinen Schwerpunkten und deinem Studiengang passen. 

Zusätzlich macht es Sinn, an Job-Events deiner Uni oder entsprechenden Messen teilzunehmen, um Unternehmen aus der Region kennenzulernen, die du vorher gar nicht auf dem Schirm hattest. Das geht auch während Corona und ist alles andere als langweilig: Bei der digitalen Jobmesse akademika ahead kannst du im November zum Beispiel deinen Traumjob in bekannter Tinder-Manier via Swipe finden und anschließend ein Date zum Videochat ausmachen. 

2. Hast du als Absolvent eine Chance gegen Young Professionals mit Berufserfahrung?

Gute Nachrichten: Du musst keine jahrelange Berufserfahrung mitbringen, um als Absolvent einen guten Job zu ergattern. Manche Unternehmen bevorzugen sogar Bewerber frisch von der Uni, die mit frischem Mindset in die Arbeitswelt eintauchen.

Anna Schmalzbauer, Recruiting Specialist beim Personaldienstleister HAYS, verrät uns zu dem Thema folgendes: „Es liegt auf der Hand, dass jemand, der bereits praktische Erfahrung in einem Bereich hat und den Arbeitsalltag kennt, eine kürzere Einarbeitungszeit braucht und schneller eigenständig arbeiten kann. Ein Absolvent ist hingegen in der Regel noch flexibler und weniger voreingenommen. Letztlich muss der Fachbereich entscheiden, wie viel Einarbeitung er für die Position leisten muss, will und kann. Grundsätzlich stelle ich aber genauso gerne Absolventen wie Young Professionals ein. Hauptsache, es passt fachlich und persönlich.“

3. Übernimmt HR lieber Werkstudenten/Praktikanten, statt externe Bewerber einzustellen?

Das kommt immer aufs Unternehmen an – und natürlich auch darauf, welchen Eindruck der Praktikant oder Werkstudent während seiner Tätigkeit hinterlassen hast. 

Bianca Sellmann, die bei der Deutsche Bank AG für das Graduate Recruiting zuständig ist, sagt dazu: „Ein Werkstudent hat den Vorteil, den Arbeitgeber schon kennenzulernen. Im Bewerbungsprozess hat er bei uns aber keinen Vorteil. Sehr gute Praktikanten, welche ein entsprechendes Empfehlungsschreiben des Managers erhalten, haben für unsere Traineeprogramme die Möglichkeit, einen verkürzten Auswahlprozess zu durchlaufen.“

Anna Schmalzbauer unterstützt bei HAYS eine Vielzahl an Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen beim Recruiting und hat für uns Bilanz gezogen: „Werkstudenten und auch Praktikanten haben meiner Erfahrung nach deutlich größere Chancen, dass ihnen offene Stellen angeboten werden bzw. dass sie zu Vorstellungsgesprächen eingeladen werden, wenn sie sich bewerben. Hierbei ist es nicht nur wichtig, dass jemand fachlich schon im Thema ist, sondern dass man sich persönlich kennt und versteht. Ich würde jedem angehenden Absolventen mit Interesse an einer Festanstellung raten, auch proaktiv nach potentiellen Stellen und Möglichkeiten zu fragen.“ 

4. Wie wichtig sind die Noten in deinem Unizeugnis bei der Bewerbung wirklich?

Auch hier gibt es keine pauschale Antwort. Denn welchen Stellenwert das Zeugnis allgemein oder einzelne Noten haben, hängt unter anderem davon ab, wie relevant sie für die ausgeschriebene Stelle sind und worauf das HR-Team bei deinem Wunsch-Unternehmen Wert legt. Generell musst du aber nicht zwingend ein Einserschüler gewesen sein, um deinen Traumjob zu landen, wenn du fachlich und menschlich überzeugst. 

Das bestätigt auch Anna Schmalzbauer: „Die Noten sind weniger wichtig als man denkt. In klassischen Personalabteilungen werden Bewerber mit „schlechten“ Uninoten oft aussortiert. Für die meisten Fachbereiche ist es aber wichtiger, welche Erfahrungen jemand sammeln konnte und was er persönlich mitbringt. Ich persönlich achte wenig auf Uninoten. Dennoch würde ich jedem raten, sich zu überlegen, was er sagt, wenn die Frage danach im Vorstellungsgespräch aufkommt.“

Laut Bianca Sellmann spielen die Noten bei der Deutschen Bank zwar eine Rolle, sind aber nicht zwingend ein Ausschlusskriterium, deine Bewerbung abzulehnen:  „Je nach Bereich können bestimmte Noten relevanter sein – beispielsweise in stark analytischen Bereichen. Gute Noten sind Bestandteil für einen positiven Gesamteindruck einer Bewerbung und werden im Gesamtbild betrachtet, gemeinsam mit bisheriger Erfahrung beispielsweise. Daneben sind aber auch Soft Skills sehr relevant, weshalb wir viel Wert auf persönliche Interviews legen.“


5. Mit welchen Skills kannst du momentan bei Arbeitgebern punkten?

Darauf haben die Digitalisierung und auch Corona großen Einfluss. Denn die aktuellen Umstände und der kontinuierliche Wandel betreffen auch den Arbeitsmarkt – Unternehmen suchen Mitarbeiter, die bei all dem nicht nur mithalten können, sondern im besten Fall sogar noch über sich hinauswachsen.

Die Antwort von Anna Schmalzbauer beweist unsere Annahmen: „Unternehmen brauchen Mitarbeiter, die anpassungsfähig und offen sind, die Lösungen finden statt Probleme und Engagement zeigen.“

Dass die Digitalisierung nicht nur unseren Alltag verändert, sondern auch die Erwartungen von Arbeitgebern, verrät auch Bianca Sellmann: „Gute Kommunikationsfähigkeiten und heutzutage auch Grundkenntnisse im IT-Umfeld helfen, sich positiv von Bewerbern abzuheben.“

6. Was sind für dich No-Gos in einer Bewerbung oder einem Bewerbungsgespräch?

Die Liste an Dont’s würde wohl einen eigenen Blogartikel füllen. Doch abseits der bekannten Fauxpas wie Rechtschreibfehlern in der Bewerbung oder Unpünktlichkeit beim Vorstellungsgespräch haben wir unsere beiden Interviewpartnerinnen gefragt, was in ihren Augen absolut tabu ist.

Anna Schmalzbauer hat leider schon einige negative Erfahrung gesammelt, aus denen du jetzt lernen kannst: „Für den Lebenslauf zählt „lieber kein Bild als ein schlechtes“ – vollständig und richtig sollte er auch sein. Einmal hatte ich einen Bewerber, der im Lebenslauf einen Abschluss angegeben hatte, den er in Wirklichkeit nicht hatte. Nachdem das rauskam, war er natürlich raus.

Grundsätzlich gilt: Im Gespräch sollte man nicht unvorbereitet sein. Eine Sache, die hier gar nicht geht, ist, dass man nicht ansatzweise weiß, was das Unternehmen überhaupt macht oder wenn man seinen eigenen Lebenslauf nicht auswendig kennt. Schwierig wird es, wenn man keine guten Erklärungen hat für größere Lücken oder plötzlich endende Arbeitsverhältnisse.
Ein weiteres No-Go, das mir oft begegnet, ist es, im Gespräch über aktuelle oder ehemalige Arbeitgeber und Kollegen herzuziehen. Wer möchte so jemanden in seinem Team haben?“

Bianca Sellmann warnt unter anderem vor Copy und Paste in der Bewerbung, hat aber gleichzeitig einige hilfreiche Tipps für dich: „Wenn eine Bewerbung auf das falsche Unternehmen ausgestellt ist – ein bisschen Sorgfalt darf man erwarten. Zudem einen unübersichtlichen oder nichtssagenden Lebenslauf. Dafür gibt es wirklich genügend Vorlagen online.
Positiv überraschen kann ein Bewerber mich mit vollständigen Unterlagen, die einen strukturierten Eindruck machen. Mit einem Anschreiben, bei dem mir keine Fragen mehr offen bleiben, wieso er oder sie diesen Job (versteht er/sie worum es geht?) bei diesem Unternehmen möchte und genau der/die Richtige dafür ist.“

7. Stimmt es, dass Recruiter die Anschreiben gar nicht wirklich lesen?

Der Mythos rund ums Anschreiben hält sich hartnäckig und verunsichert schon seit Jahren, wenn nicht sogar Jahrzehnten, viele Bewerber. Wir wollten von unseren Ansprechpartnerinnen natürlich wissen, ob sich die Arbeit fürs perfekte Anschreiben wirklich lohnt – oder ob in der HR nur Lebenslauf (CV) und Zeugnisse auf Kompatibilität gescannt werden.

Bianca Sellmann verrät, dass das Anschreiben bei der Deutschen Bank zwar sekundär betrachtet wird, aber trotzdem durchdacht und aussagekräftig sein muss: „Recruiter lesen das Anschreiben oft im zweiten Schritt, nachdem sie den CV angeschaut haben. Sofern der CV gar nicht passt, gerät das Anschreiben in den Hintergrund, das stimmt. Sofern der CV ansatzweise zu der Stelle passt kommt direkt im nächsten Schritt das Anschreiben, um mehr über die Person sowie die Motivation zu erfahren.“

Anna Schmalzbauer erklärt hingegen, dass die Relevanz des Anschreibens in den Augen vieler Unternehmen immer weiter nachlässt: „Meistens werden sie in klassischen Personalabteilungen im ersten Schritt kurz überflogen. Die Wichtigkeit des Anschreibens nimmt ab, wichtiger ist ein übersichtlicher Lebenslauf. Bei einigen Firmen (wie bei Hays) benötigt man inzwischen gar kein Anschreiben mehr.“

Christina Rott

RUN Blog-Redakteurin